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¬ 1968 Tunnel Rats (Special Edition)

Rubrik:
Format: 
Spielzeit: 
Release: 
Vertrieb:  
Genre: 
FSK:
Neuerscheinung
DVD
92 Minuten (+Bonus)
2009
Splendid
Kriegsfilm
16
Regie: Uwe Boll
Producer: S. Williamson, U. Boll, D. Clarke & C. Roland
Drehbuch: Uwe Boll & Dan Clarke
Cast: Michael Paré (Sergeant Vic Hollowborn) ; Wilson Bethel (Corporal Dan Green) ; Adrian Collins (Private Dean Garraty) ; Scott Cooper (Private Joseph Walderson) ; Mitch Eakins (Private Peter Harris) ; Erik Eidem (Private Carl Johnson) ; Brandon Fobbs (Private Samuel Graybridge)

Als der kontroverse deutsche Filmemacher Uwe Boll ("Alone In The Dark") zum ersten Mal bekannt gab, dass er einen absolut kompromisslosen, harten und ungeschönten Film über das Grauen des Vietnam Krieges machen wolle, haben nicht wenige Kritiker in Unglauben mit dem Kopf geschüttelt und einen Reinfall auf ganzer Linie prophezeit, konnten sie sich doch einfach nicht vorstellen, dass der berühmt-berüchtigte Regisseur, der einmal im Zuge einer so genannten Boxing Challenge fünf Internet-Lästermäuler im Boxring auf die Bretter geschickt hat, solch ein brisantes Thema mit dem nötigen Feingefühl und der nötigen Ernsthaftigkeit angehen würde. Und auch ich muss gestehen, dass ich trotz dessen ich ein großer Boll-Fan bin, anfangs nicht so 100% sicher war, was ich von solch einem Projekt zu halten hätte...
Nun aber, da ich mir besagten Film endlich auf DVD gekauft und "Tunnel Rats" zum ersten Mal geguckt habe, kann ich beruhigt sagen, dass alle Unkenrufe mal wieder deutlich zu früh getätigt wurden, denn unter'm Strich entpuppt sich "Tunnel Rats" als sehr cooler und vor allem auch stark in Szene gesetzter Anti-Kriegsfilm, dessen Härte und Intensität wahrlich unter die Haut gehen.
Der Streifen, der im Jahre 1968 im Dschungel von Cu Chi spielt, erzählt die tragische Geschichte einer Gruppe junger US Soldaten, die, angeführt von dem hartgesottenen Sgt. Hollowborn (Michael Pare), den Auftrag erhalten, ein komplexes Tunnelsystem zu erkunden und zu sichern, welches die Vietcong dazu nutzen, um ungesehen und ungehört von einem Ort zum anderen zu gelangen. Doch sobald die ersten GIs in die engen, dunklen Korridore hinabsteigen, müssen sie auf die harte Tour erfahren, dass ihr Feind mit der ungewohnten Umgebung und den Eigenheiten der Guerilla-Kriegsführung sehr viel besser vertraut ist als sie selbst und so muss schon bald ein GI nach dem anderem einem gnadenlosen (und für einen FSK16-Film extrem blutig inszenierten) Tod ins Auge sehen und das gewaltsame Ende des gesamten Platoons scheint fast unvermeidbar.
Eine durchaus trost- und hoffnungslose Geschichte, wie ihr seht, aber auch eine, hinter der mehr steckt als bloßes, von gewaltigen Explosionen und spektakulären Schusswechseln geprägtes Leinwandspektakel. In einem frühen Interview hatte Uwe Boll einmal gesagt, dass er "Tunnel Rats" vor allem deshalb drehen wolle, um aufzuzeigen, wie sinnlos und absurd Kriege überhaupt sind und dass die nackte Realität doch ein wenig anders aussieht, als es uns viele von Patriotismus und falschem Ehrgefühl durchtränkte Hollywood-Blockbuster glauben machen wollen. Die Männer, die mit der Waffe in der Hand ausziehen, um für ihr Land zu kämpfen, sind meist jung, lebhaft und voller Hoffnungen und Träume. Doch obwohl sie eigentlich noch ihr ganzes Leben vor sich haben, müssen die meisten von ihnen früher als ihnen lieb ist einsehen, dass sie sich für ein Spiel entschieden haben, in dem es nur Verlierer und keine Gewinner gibt. Und wenn sie dann, mit Granatsplittern, Maschinengewehrkugeln oder einer Messerklinge im Leib, alleine und tausende Kilometer von zu hause entfernt einen qualvollen Tod sterben, dann sind schillerndes Heldentum und glänzender Ruhm sicherlich die letzten Dinge, an die sie denken mögen...
Die ganze Sinnlosigkeit des Krieges ist ein stetiges und immer wiederkehrendes Motiv in "Tunnel Rats" und genauso wie der Krieg im wirklichen Leben auch alles andere als Spaß und Vergnügen ist, so macht es der Film selbst seinem Zuschauer ebenfalls nicht immer leicht und kommt vielmehr über weite Strecken sehr zäh, sehr rau, sehr hart, sehr brutal, sehr pessimistisch und letzten Endes auch sehr ehrlich rüber. Natürlich finden wir bei einer verhältnismäßig kleinen Produktion wie "Tunnel Rats" nicht die epische Breite vor, wie wir sie aus den großen Anti-Kriegsfilm-Klassikern der Kinogeschichte wie beispielsweise "Platoon", "Apocalypse Now" oder "Full Metal Jacket" kennen, dafür aber weiß Uwe Boll's Film u.a. durch seine sehr dichte Intensität und teilweise fast erdrückende Spannung zu überzeugen. Letztere ist dabei sicherlich in erster Linie auf die geschickte Art und Weise zurückzuführen, mit der der Regisseur den gesamten Film hindurch die bedrohliche, allerhand Gefahren in sich bergende Umwelt und Umgebung in Szene setzt. Ganz egal ob die Soldaten nun durch die grüne Hölle des Dschungels marschieren oder durch die klaustrophobischen Gänge des Tunnelsystems kriechen, man ist als Zuschauer immer unter Strom und fühlt ein stetes Unbehagen und Unwohlsein, welches sich immer weiter zuspitzt und letztlich in einem niederschmetternden Finale gipfelt, welches man so schnell sicherlich nicht vergessen wird.
Ich persönlich muss ja als bekennende Frohnatur gestehen, dass mir Uwe Boll's überzogene und mit einem leichten Augenzwinkern dargebotene Actionfeuerwerke wie "House Of The Dead", "Bloodrayne" oder "Schwerter Des Königs" doch noch etwas mehr Spaß machen, als ein durch und durch ernsthafter Streifen wie "Tunnel Rats", trotzdem aber bleibt auch für mich als Fazit, dass der ursprünglich aus Wermelskirchen stammende Filmemacher hier einen der spannendsten und stimmigsten Filme seiner Karriere vorlegt, den man sich als Fan von knallharten, ungeschönten Anti-Kriegsfilmen wie "John Rambo" und Co nicht entgehen lassen sollte.

Bonus Material: Audiokommentare in Deutsch und Englisch ; Interviews ; Outtakes ; Trailershow
Homepage: www.boll-kg.de (Produzent) ; www.splendid-film.de (Vertrieb)

71% by Tobi (08.06.2009)

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