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Als
der kontroverse deutsche Filmemacher Uwe Boll ("Alone In The Dark") zum
ersten Mal bekannt gab, dass er einen absolut kompromisslosen, harten
und ungeschönten Film über das Grauen des Vietnam Krieges machen wolle,
haben nicht wenige Kritiker in Unglauben mit dem Kopf geschüttelt und
einen Reinfall auf ganzer Linie prophezeit, konnten sie sich doch
einfach nicht vorstellen, dass der berühmt-berüchtigte Regisseur, der
einmal im Zuge einer so genannten Boxing Challenge fünf
Internet-Lästermäuler im Boxring auf die Bretter geschickt hat, solch
ein brisantes Thema mit dem nötigen Feingefühl und der nötigen
Ernsthaftigkeit angehen würde. Und auch ich muss gestehen, dass ich
trotz dessen ich ein großer Boll-Fan bin, anfangs nicht so 100% sicher
war, was ich von solch einem Projekt zu halten hätte...
Nun aber, da ich mir besagten Film endlich auf DVD gekauft und "Tunnel
Rats" zum ersten Mal geguckt habe, kann ich beruhigt sagen, dass alle
Unkenrufe mal wieder deutlich zu früh getätigt wurden, denn unter'm
Strich entpuppt sich "Tunnel Rats" als sehr cooler und vor allem auch
stark in Szene gesetzter Anti-Kriegsfilm, dessen Härte und Intensität
wahrlich unter die Haut gehen.
Der Streifen, der im Jahre 1968 im Dschungel von Cu Chi spielt, erzählt
die tragische Geschichte einer Gruppe junger US Soldaten, die, angeführt
von dem hartgesottenen Sgt. Hollowborn (Michael Pare), den Auftrag
erhalten, ein komplexes Tunnelsystem zu erkunden und zu sichern, welches
die Vietcong dazu nutzen, um ungesehen und ungehört von einem Ort zum
anderen zu gelangen. Doch sobald die ersten GIs in die engen, dunklen
Korridore hinabsteigen, müssen sie auf die harte Tour erfahren, dass ihr
Feind mit der ungewohnten Umgebung und den Eigenheiten der
Guerilla-Kriegsführung sehr viel besser vertraut ist als sie selbst und
so muss schon bald ein GI nach dem anderem einem gnadenlosen (und für
einen FSK16-Film extrem blutig inszenierten) Tod ins Auge sehen und das
gewaltsame Ende des gesamten Platoons scheint fast unvermeidbar.
Eine durchaus trost- und hoffnungslose Geschichte, wie ihr seht, aber
auch eine, hinter der mehr steckt als bloßes, von gewaltigen Explosionen
und spektakulären Schusswechseln geprägtes Leinwandspektakel. In einem
frühen Interview hatte Uwe Boll einmal gesagt, dass er "Tunnel Rats" vor
allem deshalb drehen wolle, um aufzuzeigen, wie sinnlos und absurd
Kriege überhaupt sind und dass die nackte Realität doch ein wenig anders
aussieht, als es uns viele von Patriotismus und falschem Ehrgefühl
durchtränkte Hollywood-Blockbuster glauben machen wollen. Die Männer,
die mit der Waffe in der Hand ausziehen, um für ihr Land zu kämpfen,
sind meist jung, lebhaft und voller Hoffnungen und Träume. Doch obwohl
sie eigentlich noch ihr ganzes Leben vor sich haben, müssen die meisten
von ihnen früher als ihnen lieb ist einsehen, dass sie sich für ein
Spiel entschieden haben, in dem es nur Verlierer und keine Gewinner
gibt. Und wenn sie dann, mit Granatsplittern, Maschinengewehrkugeln oder
einer Messerklinge im Leib, alleine und tausende Kilometer von zu hause
entfernt einen qualvollen Tod sterben, dann sind schillerndes Heldentum
und glänzender Ruhm sicherlich die letzten Dinge, an die sie denken
mögen...
Die ganze Sinnlosigkeit des Krieges ist ein stetiges und immer
wiederkehrendes Motiv in "Tunnel Rats" und genauso wie der Krieg im
wirklichen Leben auch alles andere als Spaß und Vergnügen ist, so macht
es der Film selbst seinem Zuschauer ebenfalls nicht immer leicht und
kommt vielmehr über weite Strecken sehr zäh, sehr rau, sehr hart, sehr
brutal, sehr pessimistisch und letzten Endes auch sehr ehrlich rüber.
Natürlich finden wir bei einer verhältnismäßig kleinen Produktion wie
"Tunnel Rats" nicht die epische Breite vor, wie wir sie aus den großen
Anti-Kriegsfilm-Klassikern der Kinogeschichte wie beispielsweise "Platoon",
"Apocalypse Now" oder "Full Metal Jacket" kennen, dafür aber weiß Uwe
Boll's Film u.a. durch seine sehr dichte Intensität und teilweise fast
erdrückende Spannung zu überzeugen. Letztere ist dabei sicherlich in
erster Linie auf die geschickte Art und Weise zurückzuführen, mit der
der Regisseur den gesamten Film hindurch die bedrohliche, allerhand
Gefahren in sich bergende Umwelt und Umgebung in Szene setzt. Ganz egal
ob die Soldaten nun durch die grüne Hölle des Dschungels marschieren
oder durch die klaustrophobischen Gänge des Tunnelsystems kriechen, man
ist als Zuschauer immer unter Strom und fühlt ein stetes Unbehagen und
Unwohlsein, welches sich immer weiter zuspitzt und letztlich in einem
niederschmetternden Finale gipfelt, welches man so schnell sicherlich
nicht vergessen wird.
Ich persönlich muss ja als bekennende Frohnatur gestehen, dass mir Uwe
Boll's überzogene und mit einem leichten Augenzwinkern dargebotene
Actionfeuerwerke wie "House Of The Dead", "Bloodrayne" oder "Schwerter
Des Königs" doch noch etwas mehr Spaß machen, als ein durch und durch
ernsthafter Streifen wie "Tunnel Rats", trotzdem aber bleibt auch für
mich als Fazit, dass der ursprünglich aus Wermelskirchen stammende
Filmemacher hier einen der spannendsten und stimmigsten Filme seiner
Karriere vorlegt, den man sich als Fan von knallharten, ungeschönten
Anti-Kriegsfilmen wie "John Rambo" und Co nicht entgehen lassen sollte. |